„Was für ein Jahr!“

Thomas Raphael blickt zurück auf 2020 und nach vorne

Thomas Raphael

Liebe Fans, Freunde, Biertrinker(innen), Dortmunder(innen).….!


Was für ein Jahr! Ich melde mich auf diesem Weg mit einem kurzen Jahresrückblick bei Euch und nehme mir die Freiheit, Euch zu duzen, im Ruhrgebiet war das ja immer schon einfach und zeichnet für mich auch unser Miteinander im Ruhrgebiet aus.


Das war ein turbulentes und schwieriges Jahr, gerade auch nach dem erfolgsverwöhnten 2019 mit seinem schönen Sommer.
Aber um von vorne anzufangen: Während ich Ende Januar im Urlaub war, bahnte sich das Unheil an. Für mich als Mikrobiologen, der sogar mal Epidemiologie als Diplomfach hatte, war es nicht so schwer, schon damals zu ahnen, was da auf uns zukommen könnte. Im Februar konnte ich es immer noch nicht wirklich glauben, aber die Realität hat mich eingeholt. Mikroorganismen helfen uns nicht nur Bier zu brauen, sie machen eben halt auch manchmal, zum Glück selten, unkontrollierten Unfug.


Es war ehrlich gesagt erst mal ein Schock, unseren Kiosk am Hohen Wall und unsere Stehbierhalle auf Phoenix-West schließen zu müssen, stellten sie doch bislang immer einen wesentlichen Teil unserer Aktivitäten und unseres Erfolgs dar. Über Dortmunds Grenzen hinaus sind wir bekannt als die Brauerei mit dem Kiosk, nun war er zu.


Zudem hatten wir im März gerade unseren neuen Lagerkeller fertiggestellt, die Investition wollte bezahlt werden. Unsere neue Fassabfüllanlage stand still. Das war mulmig. Während ich mich im Januar noch optimistisch in die Zukunft blicken sah, war das dann im März plötzlich erst mal anders. Meine erste Überlegung war: Werden wir den Lockdown überleben und wenn ja, wie? Herbert, mein Geschäftsführungspartner, war gelassener, das war und ist immer sehr hilfreich.


Schön war es, sofort Hilfe zu erhalten: Herbert als erfahrener Unternehmensberater hat alle Register gezogen. Innerhalb von Tagen sah alles schon wieder besser aus. Wir bekamen Soforthilfe, hatten Kurzarbeit und eine Zusage für einen KfW Kredit. Auch unsere Genussscheininhaber haben uns in diesen schweren Tagen mit der Zeichnung weiterer Genussscheine sehr gestützt. Dabei tat nicht nur die monetäre Hilfe gut, sondern auch das Vertrauen in uns und in unsere Zukunft. Um Fragen in diese Richtung gleich hier zu beantworten: Aufgrund des Kleinanlegerschutzgesetzes von 2015 können wir leider aktuell keine neuen Genussscheininhaber aufnehmen. Sollte sich was ändern, würden wir uns melden.


Wir haben dann auf Phoenix-West einen Brauereiverkauf (DRIVE-IN) aufgebaut und Bier direkt in den Kofferraum der vorfahrenden Autos geladen. So konnten wir uns ein bisschen weiter beschäftigen. Alle haben mit angepackt und geholfen, das tat gut zu sehen. Besonders schön war es nun auch den bislang nur vom Fass erhältlichen jeweiligen „Sud des Monats“ in Flaschen füllen zu können.
Nach der Aufhebung der Einschränkungen hatten wir dann im Mai ganz viel Arbeit und zu Vatertag das Ordnungsamt zu Besuch. Alle Menschen wollten raus. Es war viel los, ja, zu viel, ok. Nach dem Lockdown waren bei schönstem Wetter gefühlt alle unterwegs. Man hat uns dann für die Menschenmassen an den Wasserbecken vor der Brauerei verantwortlich gemacht, von denen manche die Corona Regeln nicht eingehalten haben. Unglücklicherweise hatten das sogar die Ruhr-Nachrichten mitbekommen. Wir hatten das erste Mal überhaupt schlechte Presse. Aber zum Glück bereitete uns das keine nachhaltigen Probleme.


Der schöne Sommer ließ dann Erinnerungen an alte Zeiten hochkommen, der Biergarten war oft voll. Das Ordnungsamt hat schnell und unbürokratisch öffentliche Fläche um die Wasserbecken herum freigegeben. Unser fleißiges Ausschankteam hatte sehr viel zu tun, auch mit der konsequenten Umsetzung der Corona Regeln – wofür wir oft gelobt wurden. Man fühlte sich bei uns nicht nur sicher, man war es auch. Es war noch nicht wie früher, aber ein Stück Normalität.


Die schon im letzten Jahr eingeschlagene Strategie, nach den Jahren des Aufbaus der Stehbierhalle den Schwerpunkt wieder etwas mehr in den Handel zu verlegen, war gut und hilfreich. Konkret haben wir im Frühjahr die „Schlanke Mathilde“ und das „Kellerpils“ in den Markt eingeführt und so mit neuen Sorten überrascht.


Größter Sorgenfaktor war und ist unser Kiosk am Hohen Wall 36. Wir durften ja noch nicht mal im Sommer wieder richtig öffnen, weil die Abstandsregeln dort nicht eingehalten werden können. Der Umsatz aus dem Kiosk fehlte uns in diesem Jahr nahezu vollständig. Aktuell läuft nun der zweite Lockdown, der Kiosk hat daher geschlossen.
Der Brauereiverkauf hier in der Brauerei lief im Weihnachtsgeschäft beeindruckend gut. Wir haben die Stehbierhalle umgestaltet und man kann sich nun in Ruhe umsehen. Wir freuen uns über so viele Fans und Kunden und fragen uns schon, wie wir im nächsten Jahr Stehbierhalle und Brauereiverkauf kombinieren können.


Aktuell haben wir sogar Bierbrand (schon probiert?) und neben dem Sud des Monats weitere hefetrübe Sorten in 0,75 Liter Flaschen abgefüllt, z.B. ein trübes Export. Weitere bemerkenswerte Sorten in diesem Jahr waren das Spezial Mosaic als Sud des Monats, ein mit der Hopfensorte Mosaic nachgestopftes Bier, welches wir für die Weihnachtszeit sogar nachgebraut haben. Mich persönlich beeindruckt der „Kraftstoff“, der allerdings aufgrund seines ungewöhnlichen Bierstils nicht allen gut schmeckt.


Für das nächste Jahr haben wir zwei neue Projekte in Vorbereitung. Für begrenzte Zeit, wahrscheinlich zwei Jahre, werden wir einen Ausschank im Hafen bekommen – südlich von „Herrn Walter“, direkt am Wasser neben dem „Umschlagplatz“. Uns interessiert, wie sich der Hafen entwickelt, der ja schon mal unsere Heimat war. Wir möchten von Anfang an mittendrin und dabei sein. Zudem arbeiten wir an einem weiteren Ausschank auf der Hohensyburg, ein verwunschener Ort, der perfekt zu uns passt und nur darauf wartet, von Bergmann wiederbelebt zu werden.


Unserer Einschätzung nach wird auch 2021 noch schwierig werden, insbesondere das erste Quartal. Hoffentlich geht es aber ab dem Frühsommer wieder weiter wie früher oder zumindest in diese Richtung.


Unseren Gastronomiekunden und Kooperationspartnern wünschen wir für die nächsten Monate viel Kraft und Unterstützung!


Wir haben in diesem Jahr viel gelernt. Natürlich auch, wie wir und unsere Umgebung in Krisenzeiten klarkommen, wer oder was in Krisenzeiten hilft und was nicht. Wir sind nun auch krisenerprobt und halten durch. Krise schweißt auch zusammen.


Das Wichtigste für uns sind natürlich unsere treuen Kunden, die in diesem Jahr nochmal mehr geworden sind und die uns wieder einmal bestätigt haben, dass wir auf dem richtigen Weg sind. In Dortmund gibt es einen Platz für eine kleine, private Brauerei und unser handwerklich hergestelltes Bier. Wir sind froh, so viel Unterstützung erfahren und auch lobende Worte von unseren Kunden bekommen zu haben und freuen uns daher schon jetzt auf die Zeit, wenn wir mit ihnen wieder anstoßen können.


In diesem Sinne: Danke Euch allen und bleibt gesund!


Viele Grüße


Thomas Raphael für die Bergmann Brauerei